Capsaicin

Capsaicin-Pflaster bei Chemotherapie-induzierter peripherer Neuropathie (CIPN)

2025-03-27
Detail-Ansicht von Capsicum-Schoten

Hochdosiertes Capsaicin-Pflaster lindert bei wiederholter Anwendung nachhaltig die Symptome und verbessert die Lebensqualität von Brustkrebspatientinnen mit Chemotherapie-induzierter Neuropathie (CIPN). 

Dieses Ergebnis erbrachte eine an 7 deutschen Kliniken durchgeführte, prospektive, multizentrische Beobachtungsstudie (QUCIP-Studie). In dieser wurde die Wirksamkeit des hochdosierten Capsaicin-Pflasters (HCCP für „high-concentration capsaicin patch“, 179 mg) bei 73 Brustkrebspatientinnen, die sich einer Chemotherapie unterziehen mussten, über 36 Wochen untersucht. Das Pflaster wurde einmalig (V0) für bis zu 60 Minuten angewendet; die Behandlung konnte bis zu zweimal wiederholt werden (nach 60 bzw. 90 Tagen, V1-V2). Nach der ersten Behandlung (V0) folgten zwei telefonische Kontakte (T1, T2) und danach persönliche Besuche im Abstand von 12 Wochen oder bei einer erneuten Behandlung (Besuche V1-V3). 

Das primäre Zielkriterium war die Veränderung der neuropathischen Schmerzsymptomatik nach einer einmaligen HCCP-Behandlung, gemessen mit dem painDETECT®-Fragebogen.*  Sekundäre Endpunkte waren Verbesserungen der Lebensqualität (QLQ-CIPN20)** und die Schmerzintensität (numerische Schmerzbewertungsskala, NPRS). Die Datenanalyse umfasste 73 Patienten im Durchschnittsalter von 61 Jahren (36 - 80 Jahre). Die Patientinnen hatten verschiedene Taxan- und/oder Platin-basierte Chemotherapeutika erhalten; die Mehrheit wurde mit Paclitaxel behandelt. Der zeitliche Abstand zwischen dem Chemotherapieende und Aufnahme in die Studie betrug 1,6 Jahre (Median). Bei 52 % der Patienten bestanden die peripheren neuropathischen Schmerzen länger als ein Jahr, bei 34 % länger als 2 Jahre. Die meisten Patientinnen wurden wegen peripherer neuropathischer Schmerzen am Fuß oder an den Füßen (n=33) bzw. Hand/Händen und Fuß/Füßen (n=35) behandelt.

Ergebnisse: Der painDETECT®-Score verringerte sich nach der Erstbehandlung signifikant von 19,71 ± 4,69 auf 15,80 ± 6,20 (p < 0,0001) und nahm bei Nachuntersuchungen weiter ab. Die NPRS zeigte zu jedem Zeitpunkt eine signifikante Verringerung der Schmerzintensität, die besonders reduziert bei Patientinnen war, die drei HCCP-Behandlungen erhielten. Der Anteil von Patientinnen mit einer Schmerzlinderung von ≥ 30 %  stieg von 25,0 % in Woche 4 (T2) auf 36,2 %, 43,5 % bzw. 40,0 % in Woche 12 (V1), 24 (V2) bzw. 36 (V3). Der Prozentsatz der Patientinnen, die eine Schmerzlinderung von ≥ 50 % erreichten, stieg von 14,7 % (T2) auf 15,5 %, 21,7 % bzw. 32,5 % bei V1, V2 und V3. Die Patientinnen berichteten außerdem eine signifikante Verbesserung ihrer CIPN-bezogenen Lebensqualität während der gesamten Studie. Zu den unerwünschten Arzneimittelwirkungen gehörten hauptsächlich Reaktionen an der Applikationsstelle.

Die Daten dieser Auswertung der QUCIP-Studie belegen eine anhaltende und fortschreitende Verringerung neuropathischer Schmerzen und Symptome und bestätigen den klinischen Nutzen wiederholter HCCP-Behandlungen, der auch in früheren klinischen Studien beobachtet wurde. Die HCCP-Behandlung hat das Potenzial, die bei einer CIPN beeinträchtigten Lebensqualität bei guter Verträglichkeit deutlich zu verbessern..

*painDETECT: Fragebogen mit neun Fragen zur Häufigkeit und Qualität von sieben neuropathischen Symptomen, zum Schmerzmuster im Zeitverlauf und zu ausstrahlenden Schmerzen (0 - 38 Punkte). ≥ 19 Punkte: neuropathische Komponente ist wahrscheinlich (> 90 %), 13 - 18 Punkte: neuropathische Schmerzen möglich; ≤ 12 Punkte neuropathische Komponente unwahrscheinlich (< 15 %).

** Der QLQ-CIPN20 ist ein 20 Punkte umfassender Fragebogen, der sensorische, motorische und autonome Symptome im Zusammenhang mit CIPN und deren Auswirkungen auf die Funktion bewertet. Er ergänzt den zentralen Fragebogen zur Lebensqualität der Europäischen Organisation für Forschung und Behandlung von Krebs (EORTC), der für die Verwendung in der deutschen Krebsbevölkerung validiert wurde.

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