Capsaicin-Pflaster hilft bei peripheren neuropathischen Schmerzen
2024-04-29
8 %iges Capsaicin-Pflaster kann die Lebensqualität bei zwei Drittel der Patienten mit peripheren neuropathischen Schmerzen (PNP) zumindest kurzfristig verbessern. Wiederholte Anwendungen könnten für eine langfristige Schmerzlinderung wichtig sein.
Dieses Ergebnis erbrachte eine retrospektive Studie bei Patienten eines Krankenhauses in Oporto, Portugal.
Analysiert wurden die Daten von 100 Patienten mit lokalisierter PNP, die zuvor eine unzureichende Schmerzkontrolle hatten und auf vorherige Behandlungen nicht ansprachen. Alle Patienten wurden mindestens einmal im Krankenhaus mit einem 8 %igen Capsaicin-Pflaster behandelt. Der Schmerz wurde mit dem „Brief Pain Inventory“ (BPI) und die (krankheitsbezogene) Lebensqualität mit dem EQ-5D-3L-Fragebogen* erfasst – beide in für Portugal validierter Form. Die in Telefoninterviews erhobenen Daten konnten von 68 Patienten (w = 53, m = 15, Ø Alter 61,4 Jahre) ausgewertet werden.
Ätiologie der PNP: 67,6 % entwickelten die Beschwerden nach einer Operation oder einem Trauma, wobei 64,7 % von Schmerzen in den unteren Extremitäten berichteten. In 19,1 % der Fälle waren die Auslöser unterschiedlich, bei 4 % lag eine postherpetische Neuralgie und bei 1,5 % eine diabetische Polyneuropathie vor. Die Dauer der Schmerzen bis zur ersten Capsaicin-Anwendung variierte von 2 Monaten bis zu 49 Jahren (Ø 71,46 Monate, Median 30 Monate). 75 % der Patienten litten seit über 5 Jahren (61,5 Monate), 25 % gaben eine Schmerzdauer von weniger als 12 Monaten an. Der Median der Capsaicin-Pflaster-Behandlungen lag bei zwei 8 %igen Capsaicin-Pflastern (Range 1 bis 7).
Ergebnisse: In der Woche vor der Befragung lag die durchschnittliche Schmerzintensität bei 6 (Skala von 1 bis 10). Die Beeinträchtigung der Lebensqualität betrug 7. Nach der Behandlung fühlten sich 31 % der Patienten geringfügig verbessert, 22 % stark verbessert und 13 % sehr stark verbessert; 34 % empfanden keine Besserung. Die Mehrheit der Patienten berichtete nach wie vor über Einschränkungen der Mobilität und der täglichen Aktivitäten sowie über mäßige Schmerzen. Als Nebenwirkungen traten z. B. ein Gefühl von Stichen (72 %), Taubheit (72 %), Kribbeln (71 %) und Juckreiz (26 %) auf. Insgesamt werten die Autoren das Pflaster als gut verträglich.
Die Autoren kommen zum Schluss, dass zwei Drittel der Patienten zumindest eine kleine Verbesserung durch die Anwendung des 8 %igen Capsaicin-Pflasters haben und dadurch die Lebensqualität verbessert wird. Die schmerzlindernde Wirkung nehme wohl mit der Zeit ab, jedoch mit der Anzahl der Anwendungen zu, was auf die Sinnhaftigkeit wiederholter Anwendungen hinweist.
Der Wirkstoff Capsaicin aus spezifischen Paprika-Arten einschließlich Chili induziert unter Bindung an den TRP-Kanal TRPV1 eine Freisetzung von Neuropeptiden, wie v. a. der Substanz P aus Nozizeptoren (sensorische C-Fasern). Diese Freisetzung führt zu einer Depletion von Substanz P und einer anhaltenden Desensibilisierung. Mehrere Studien haben bereits gezeigt, dass Capsaicin in Form eines Pflasters (in Konzentrationen bis zu 8 %) das Schmerzempfinden über mehrere Wochen anhaltend mindern kann.
*Der EuroQol 5-Dimension 3-Level (EQ-5D-3L)-Fragebogen umfasst 5 Dimensionen: Mobilität, Körperpflege, tägliche Aktivitäten, Schmerzen/Unwohlsein und Angst/Depression in jeweils drei Stufen (keine, wenig, extreme Probleme).
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